- als die Deetzer noch Nedlitz besaßen -
- stattlicher Aufschwung seit der Jahrhundertwende -

Eine alte Chronik behauptet, dass von Zerbst nach Brandenburg eine Straße gehe, die an Deetz vorbeiführt. Die alte Chronik muß es ja wissen, denn sie wurde damals so geschrieben, wie die Dinge im Zerbster Lande eben lagen. Wenn man das heute liest, dann wird der Wandel der Zeit klar: Wenn heute einer mit seinem Auto oder sonst einem Gefährt außer der Eisenbahn von Zerbst nach Brandenburg fahren will, dann kommt er nicht mehr über Deetz. Die Landstraßen haben sich gerade im Fläming andere Wegführungen gesucht, und so kommt es, dass man für gewöhnlich annimmt, Deetz läge so etwa wie in Hinterwalden, also dort, wo sich die Füchse Gutenacht sagen. Nun, so ist es auch nicht. Deetz ist schon ein sehr stattliches Dorf, das mehr den Eindruck einer kleinen Landstadt macht. Dieselbe alte Chronik, die von der Straße nach Brandenburg berichtet hat, nennt Deetz eines der größten Dörfer des Zerbster Landes. Das stimmt heute noch. Es steht heute an vierter Stelle unter den Dörfern des Zerbster Landes. Vorweg geht Meinsdorf mit seinen 1139 Bewohnern - was bei der Industrie in Roßlau auch kein Wunder ist, - dann kommt Steutz mit 769, dann Rodleben mit 740 und zu viert Deetz mit 708 Einwohnern, alles nach der Volkszählung (um 1934) gerechnet. Rodleben und Meinsdorf sind Industriewohndörfer, Steutz und Deetz dagegen reine Bauerndörfer mit etwas Bodenständiger Industrie.

Die alte Chronik stammt so etwa aus der Zeit vor über hundert Jahren. Unsere Urgroßväter haben in Deetz ganz andere Verhältnisse kennengelernt, als heute hier vorherrschen. Durch die Teilung des Zerbster Landes 1798, nach dem Aussterben der Zerbster Fürsten, kam Deetz an Anhalt-Köthen. Wenn also die Deetzer etwas mit ihrer Regierung erledigen wollten, dann mußten sie, wenn's auf dem Amte nicht ging, nach Köthen reisen. Das Amt saß in Lindau, bzw. in Roßlau. Lindau war nach dem Aussterben der Grafschaft ein Zerbster Amt geworden. Als nun die Zerbster Fürstenlinie selbst ausstarb, kam es in die Teilungsmasse, Zerbst wanderte zu Dessau, der Osten um Coswig nach Bernburg und die Mitte von Roßlau quer durch den Kreis bis Lindau zu Köthen. Genau 13 Dörfer umfaßte nach der Teilung das alte Amt Lindau, das zwar nach dem Namen nach bestand, aber amtlich das "Amt Lindau zu Roßlau" genannt wurde. Lindau war so etwas wie eine kleine Landeshauptstadt, genau wie damals Roßlau. In der Lindauer Grafenzeit gehörte Deetz ebenfalls mit Badewitz zum Schloß Lindau.

Im gegensatz zu Grimme und Dobritz war Deetz mit Nedlitz und Reuden ein fürstliches Amtsdorf. Aus der Zerbster Fürstenzeit stammt ja auch noch der Deetzer Teich. Er wurde im Jahre 1583 durch Stauung der Nuthe angelegt. Damals hatte er die Aufgabe, die Genüsse der Zerbster Fürstenküche vermehren zu helfen (Fischzucht). Er tat es durch die Lieferung von vorzüglichen Karpfen. Alle drei Jahre wurde ausgefischt. Heute ist die Nutzung des Teiches in Form der Mastkarpfenzucht in Privathand, der Deetzer Fischzug ist mehr als eine dörfliche Angelegenheit.

Da wir bei der Geschichte von Deetz sind, so seien noch ein paar Daten aus ganz alten Zeiten genannt. Zunächst was den Namen betrifft. Man leitet ihn von dem Personennamen eines Mannes ab, der Deti hieß. Die alte Schreibform in der ersten urkundlichen Erwähnung von 1314 lautet Detitz. Daraus ist später Deetz geworden. Und nun kommt etwas merkwürdiges. In alter Zeit wird Deetz immer mit Quast zusammen genannt, es haben enge Bindungen bestanden. Quast war damals noch kein Dorf, sondern ein Vorwerk, es ist mit Buhlendorf und Lietzo erst anläßlich der Teilung des Zerbster Landes 1798 ein Dorf geworden. Nun gab es wahrscheinlich ein Klein -und ein Großquast. Jedenfalls hatte das Adelsgeschlecht der Wallwitze hier Besitz. Nach der engen Bindung von Quast und Deetz gab es eine noch engere zwischen Deetz und Nedlitz. Nedlitz war nämlich um 1400 wüst (öde) geworden. Dieser Zustand des Untergangs dauerte noch 1536 an. Die Feldmarke (Acker) von Nedlitz wurde von den Deetzer Bauern bewirtschaftet. Sie konnten Birneholz (Brennholz) und Wiesewachs entnehmen und mußten dafür jährlich 7 Gulden Zins zahlen. Das mag bis an die Jahrhundertwende 1600 so gegangen sein. Denn erst 1592 wird in Nedlitz wieder ein Schulze ( ähnlich Bürgermeister) erwähnt. Man hatte Nedlitz wieder aufgebaut und die Nutzung durch die Deetzer hörte auf. In der Zeit da die Deetzer die Nedlitzer Marke mitbewirtschafteten, saßen in Deetz drei Lehnschulzen, 16 Vollspänner und drei Kossaten. Trotz der Abgabe der Mark Nedlitz ging es in Deetz aufwärts. 1618 wurden 14 Vollspänner, 3 Halbspänner und 14 Kossaten gezählt.

In der Bevölkerungszahl ging es im letzten Jahrhundert dauernd bergauf. 1818 wohnten in Deetz 281 Leute, 1848 344, 1871 390, 1900 547. Da man 1925 722 zählte, ergibt sich ein stattlicher Aufschwung in unserem Jahrhundert um beinahe 200 Personen in 25 Jahren. Das ist sehr beachtlich. In den nächsten acht Jahren war ein kleiner Rückgang zu verzeichnen.

Kommt man heute nach Deetz, so überrascht die Menge der Straßen mit den teilweise recht stattlichen Häusern. Der Dorfmittelpunkt liegt bei der mächtigen Kirche aus Feldsteinen, die allerdings ein jüngeres Datum hat, als man nach der Feldsteinbauweise annehmen möchte. Sie stammt erst aus der Zeit nach der Reformation. Daneben liegt mit einem geräumigen Vorhof die Schule. Ein Stück weiter hin geht es zum Bahnhof der "Kanonenbahn", wie man früher die Strecke nannte. Geradeaus kommt man hinab zur Nuthebrücke, denn Deetz liegt am nördlichen Nuthearm. Hier ist auch die stattliche Siedlung des Norddammes.

Als eines der größten Dörfer des Zerbster Landes geht Deetz etwas abseits des großen Verkehrs, der andere Bahnen gesucht hat, seiner Nahrung nach, die neben der Landwirtschaft in einiger bodenständiger Industrie besteht. Ein Wunsch bleibt rund um Deetz offen, das man endlich hier oben am Nordrande des Zerbster Landes sich der Straßenverhältnisse annehmen möchte, denn da tut es wirklich not!

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