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Kategorie: Deetz.de
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... eine Geschichte

Der Fischzug und die Fischerfeste am Deetzer Teich, das sind Traditionen über Generationen hinweg. Die Einwohner des Ortes, jung und alt, Besucher aus näherer und weiterer Umgebung kommen zum See.

Früher kamen die Menschen zu Fuß, per Rad, mit dem Moped und heute sind die Parkplätze mit Pkws überfüllt. Angebotene Speisen, Imbiss und Getränke geben dem alljährlichen Fischzug den Charakter eines Volksfestes. So manch in Deetz Gebürtiger war wieder am Teich im vertrauten Heimatort. Mit Jugendfreunden gibt es immer Anlass zum Schwatzen und zum Plauschen. Genau dieses soll in Zukunft auch so bleiben. Aber auch baden kann man in dem Teich sehr gut. Es gibt sogar einen Bootsverleih.

Der Deetzer Fischteich hat eine über 150jährige Geschichte. Die wohl älteste und bekannte Urkunde über den Teich und sein Teichhaus ist im Besitz der Familie Sachse. Sie stammt aus dem Jahre 1840 und ist ein "Übereignungs- und Erbkontrakt". So historisch wie das alte Dokument ist, so historisch ist die Einleitung des Kontraktes. Der beginnt: "Des Durchlauchtigsten Herzogs Herrn, Herrn Heinrich Ältestregierenden Souverän Herzog zu Anhalt, Herzog zu Sachsen, Engern und Westfalen, Graf zu Askanien, Herren zu Bernburg und Zerbst beurkunden hiermit die Erbpachtweise Überlassung der Herzoglichen Wassermühle bei Deetz nach eingegangener Resolution am 11. Mai 1840".

Die Teichoberfläche umfasst 57 Hektar. Umrandet von einem dichten Schilfgürtel, hebt sich das hellere Grün der Erlen von den weißstämmigen Birken ab. Dahinter das Dunkelgrün der Kiefernwälder am Ostufer.

Rings um den See ziehen sich Felder und eingesprengte Waldstücke. So liegt der Deetzer Teich eingebettet in der Landschaft des Vorflämings. Ein besonderer Blickfang ist die kleine Bungalowsiedlung - ein im Landkreis bekanntes Naherholungszentrum - das sich schmückend in die Landschaft einpasst. Im Wasser tummeln sich dutzende Stockenten. Auch Blesshühner, an die 100 Stück, haben sich im Gras des Staudammes niedergelassen. Ist man auf 50 Schritt heran, dann eilen sie flink in ihr eigentliches Element zurück. Aber nicht nur Schwimmvögel sind hier am Teich zu Hause. Rohrweihe, Rohrdommel, Kolkraben und hin und wieder sind Fischreiher auszumachen. Manchmal ist sogar ein Fischadlerpaar ein vorübergehender "Teichgast".

Einige der zahlreichen Nuthequellen im Wald zwischen Hagendorf und Reuden speisen den Teich. Dazu kommt Quellwasser aus den Wiesenniederungen zwischen Nedlitz und Hagendorf. Landläufig nennt man es die "Arche", wo das fließende Wasser den See speist. Und doch ist dieser Teich mit seinen 57 Hektar kein natürliches Gewässer, sondern eine Wasserniederung, die auf Wunsch und Weisung des regierenden Herzoges im Frondienst von den ansässigen Kossäten und Hüfnern, von Leibeigenen und Fronbauern, durch Aufschüttung eines Stauwalles zu einem regulierbarem Gewässer eingerichtet wurde. Ein von Menschenhand angelegtes, etwa sechs Meter breites Nuthebett sorgt ständig für fließendes und unbelastetes Wasser. Dieser Verlauf der Nuthe im Teich war schon vor hundert Jahren Antriebskraft einer unmittelbar hinter dem Staudamm gelegene Mühle und eines Sägewerkes.

Aus der Geschichte dieser Mühle berichtet ein handgeschriebenes Dokument. Es ist die eingangs erwähnte Übereignungsurkunde, in der zu lesen ist: "Es verpflichtet sich der Erbpächter die erhaltene Berechtigung zum Mahlen nur so auszuüben, dass der Fischerei im "Herrschaftlichen Teich" durchaus kein Nachteil erwächst. Der Erbpächter darf gegen die Trockenlegung des Teiches nichts einwenden. Er kann die Mühle nur so nutzen, dass durch das angestaute Wasser dem im Teich ausgesäten Getreide kein Schaden zugeführt wird, Derselbe muss sich auch des Fischens und Krebsens im Teich, Hältern oder unter den Archen und Rädern der Wassermühle bei schwerer Strafe enthalten."

Viel Zeit ist seitdem vergangen. Aber der Deetzer Teich und seine Fische haben über Jahrzehnte das Dorf weit über die Grenzen seiner Nachbarorte bekannt gemacht. Der Fischzug im Spätherbst, ist der wichtigste Höhepunkt im Dorf. Dazu wird schon Wochen vorher der Teich "abgelassen". Den Fischen bleibt dann das Nuthebett in Richtung des so genannten Fangs am Teichwehr.

Mit Keschern wurde dann gefangen und ein "Einspänner-Tafelwagen" brachte in Holzkübeln den Fisch vom Fang zur Fischerbude. Hier waren ausgesuchte und erfahrene Helfer dabei, die vielen Käuferwünsche - geschlachtete oder auch lebende Karpfen aus dem Verkaufsbassin - zu erfüllen.

Und parallel dazu wurde Mal für Mal ein Wasserkübel lebende Karpfen per Handwagen zur Gaststätte "Sonne" gebracht. Dort hatte dann der Gastwirt alle Hände voll zu tun, um die Wünsche der Gäste schnellstmöglich gerecht zu werden. "Karpfenessen", das war der Auftakt zum abendlichen Fischerball. Blasmusik spielte dann zum Tanz. Heutzutage wird täglich frischer Aal und ganzjährig Forelle verkauft. Das gilt  erst recht für den Wunsch nach Deetzer Karpfen, die zum Weihnachtsfest und als Sylvesterkarpfen täglich frisch im Angebot sind.